Bildung für Mädchen unter dem Patronat der Kaiserin Elisabeth: Seit Februar 2009 ist dem Thema Mädchenerziehung im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Vitrine in der Trabantenstube in den Kaiserappartements mit aufschlussreichen Exponaten gewidmet.
Im Jahre 1775 wurde in St. Pölten auf Wunsch Kaiser Josefs II. eine wohltätige Einrichtung für Offiziertöchter eingerichtet. Zehn Töchter verwitweter Offiziere, die noch im Militärdienst standen, und Offizierswaisen wurden in diesem Institut aufgenommen und erhielten eine umfangreiche Ausbildung, um später als Erzieherinnen in adeligen Familien arbeiten zu können. Die Leitung wurde einer Oberaufseherin, einer Offizierswitwe, übergeben, die der französischen Sprache kundig war und diese auch an die Zöglinge weitergab. Am 6. März übersiedelte das Institut aus St. Pölten nach Wien ins ehemalige Klostergebäude der Pauliner-Eremiten in der heutigen Kalvarienberggasse in Hernals. 1827 verlangte Kaiser Franz II./I. die Abhaltung halbjähriger Prüfungen. Das Institut erfreute sich in den darauffolgenden Jahren eines besonderen Wohlwollens der Gattin Seiner Majestät, der Kaiserin Carolina Augusta. Während ihres fast 40jährigen Witwenstandes erschien die hohe Frau oft im Institut und beschenkte die Kinder mit Puppen und anderem Spielzeug.
Zur Zeit Kaiser Franz Josephs waren ungefähr 180 Mädchen im Institut untergebracht. 1874 tauchte erstmalig die Idee auf den Zöglingen neben der Laufbahn einer Privaterzieherin auch die einer Lehrerin für öffentliche Schulen zu ermöglichen. Die Hundertjahrfeier des Instituts bot die Gelegenheit Kaiserin Elisabeth für dieses Projekt zu gewinnen. Sie selbst spendete 10.000 Gulden und rief eine Spendenaktion ins Leben.
Die Leiterin des Instituts schrieb: Dieser Appell der Landesmutter an das Herz ihrer Völker, begleitet von ihrem eigenen Beispiel hatte einen großartigen Erfolg. Aus allen Theilen der Monarchie flossen die Gaben herbei und schon in den ersten Monaten des Jahres 1876 standen beinahe eine halbe Million in barem und in Wertpapieren ... zur Verfügung.
Auch ein anderes Mal zeigte die Kaiserin besonderes Interesse für das Institut, als Mitte Februar des Jahres 1878 eine Typhusepidemie ausbrach. In dieser düsteren Zeit waren die überraschenden Besuche der Kaiserin ein Lichtblick. Sie verweilte bei allen, selbst den Schwerstkranken und tröstete sie. Ihre Majestät ließ sich sogar täglich einen Bericht über die Kranken senden.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 übernahm die Republik das Institut. Ab 1920 hieß es "Bundeserziehungsanstalt für Mädchen Wien 17". Im Schuljahr 1927/28 maturierte Herta Firnberg, die zwischen 1971 und 1983 Bundesministerin für Wirtschaft und Forschung wurde, an dieser Schule. Im Jahr 1934 übersiedelten die Schülerinnen in die Gebäude der früheren k.k. Franz-Joseph-Militärakademie in der Boerhaavegasse im 3. Bezirk, wo die Schule jetzt als "Höhere Internatsschule des Bundes Wien" weiter besteht.
Das Patronat Kaiserin Elisabeths für dieses Institut war mehr als nur eine Formsache. Ihr persönliches Engagement, ihre Besuche und ihre großzügigen Geschenke zeigen ihr Interesse für höhere Mädchenbildung. Und das war sicherlich keine Selbstverständlichkeit, bedenkt man, dass 1897 erstmals Frauen zum akademischen Studium an der philosophischen Fakultät der Wiener Universität zugelassen wurden. Die Bewohner und Betreiber des Instituts waren der Kaiserin für ihre Unterstützung stets dankbar und so endete am Weihnachtsabend des Jahres 1875 ein Festgedicht mit folgenden Worten:
Maria Theresia hat dies Haus gegründet,
Vollendet aber hat´s Elisabeth!
Objekte aus dem k.u.k. Officierstöchter-Erziehungs-Institut
Medaillon des k.u.k. Officierstöchter-Erziehungs-Instituts