Auch im Sisi Museum ist der Sommer eingekehrt. Ab Freitag, 1. Juli 2011, wird das Sommerkleid der Kaiserin Elisabeth wieder zu sehen sein.
Das Kleid stammt aus den 1880iger und ist aus hellbeigem Seidenchiffon mit umlaufenden bunten Bordüren in Pastelltönen und eingearbeiteter Brüsseler Spitze gefertigt. Es handelt sich bei diesem 3-teiligen Ensemble, bestehend aus Unterhemdchen, Oberteil mit Stehkragen, dreiviertellangen Puffärmeln und Rock, um hervorragende Handarbeit. Wie so oft bei einem Kleidungsstück der Kaiserin findet man auch hier den eingestickten Delphin und die Kaiserkrone.
Das Kleid wird auf einer Schneiderpuppe mit Original-Taillenmaß der Kaiserin (51 cm) ausgestellt, womit die beeindruckend schlanke Figur der Kaiserin vor Augen geführt wird.
Alle Kleidungsstücke der Kaiserin, die für die Garderobe in Korfu bestimmt waren, erhielten den gekrönten Delphin als Symbol. Die Vorliebe Elisabeths für das Meer, die griechische Philosophie und Mythologie sowie ihr Interesse an Spiritismus ist weitgehend bekannt. Dass sie sich den Delphin in ihre Kleidung einsticken ließ, könnte mit all diesen Interessen zusammenhängen: der Delphin, der bei den Griechen und Römern als gottähnlich galt, wurde auch als äußerst intelligentes, menschenfreundliches und bewegliches Tier beschrieben. Er wurde bereits in der antiken Kultur vor allem wegen seiner Schnelligkeit, seiner Luftsprünge und geistigen Fähigkeiten bewundert und als König der Meeresbewohner angesehen. In der Mythologie soll der Delphin vielfach Seelen Verstorbener sicher in das Reich der Toten geleitet haben.
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Umfang der Krioline mit ca 2m Durchmesser ihren Höhepunkt erreicht, danach änderte sich die Damenmode wieder hin zu einer schlankeren Silhouette. Dieser Stil tauchte um 1880 auf und stellt, wenn auch nur von kurzer Dauer, ein interessantes Beispiel für einen körperbetonten Modestil dar.
Das Gesäß wurde mit Hilfe einer sogenannten "Turnüre" betont, wobei sich die Ausdehnung des Rockes auf die Rückseite des Kleides konzentrierte. Der vorangegangene weite Rocksaum der Krioline wurde verkleinert, der Rock wurde insgesamt flacher und erhielt nur auf der Rückseite ausladende Weite. Es kamen verschiedene Konstruktionen der Turnüre auf, die einen Rahmen aus Fischbein, Bambus oder Rattan hatten, oder aus Rosshaar gefüllte Polstern und stark versteiftem Gewebe bestanden.
Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden die meisten Kleider aus zwei getrennten Teilen, nämlich aus Oberteil und Rock, und sie waren in dieser Zeit mit einer Fülle schmückender Details wie Bändern, Volants, Rüschen und fein gerafften Falten versehen. Nicht nur Abendkleider, sondern auch Tageskleider erhielten eine Vielzahl von Verzierungen.
Sommerkleid der Kaiserin Elisabeth von vorne
Sommerkleid mit deutlicher Turnüre
Eingestickter Delphin und Kaiserkrone