Seit dem Wiener Kongress war Wien zur Modemetropole geworden. Im sogenannten "Zweiten Rokoko", also der Zeit zwischen 1848 und 1868/69, wurde Kaiserin Elisabeth von Österreich zur Stilikone. Drei Perücken mit Frisuren der Kaiserin sind nun im Sisi Museum zu bestaunen.
Sisis bodenlanges Haar ist legendär. Auf den meisten Bildern allerdings sieht man ihre Frisuren nur von vorne. Um ein dreidimensionales Bild der Haarmode um die Jahrhundertwende zu vermitteln, wurde die Friseurin und Maskenbildnerin Hannelore Uhrmacher beauftragt, drei Frisuren der Kaiserin aus Echthaar anzufertigen. Diese werden, zusammen mit mehreren Onduliereisen, Lockenscheren und anderem historischen Friseurbedarf, ab der Karwoche in der Vitrine beim Drehkreuz zum Eingang des Sisi Museums ausgestellt.
Ganz Modeikone, unterwarf sich Kaiserin Elisabeth nicht dem jeweiligen Diktat der Zeit, sondern prägte es neu. Bereits die Frisur ihrer Brautzeit lehnte sich nur an die herrschende Mode an, fand aber einen eigenen Stil. So trug Sisi das in der Mitte gescheitelte Haar zwar in einem Bogen nach hinten, dort aber keinen Nackenknoten, sondern zu einem Kranz aufgesteckte Zöpfe.
Um 1860 kämmte man das Haar meist streng und glatt nach hinten, ließ beide Ohren frei und formte am Hinterkopf einen Knoten aus einzelnen Haarteilen oder Zöpfen. Zusätzlich wurde oft eine große Nackenrolle, Cadogan genannt, arrangiert. Diesem Diktat unterwarf Sisi sich schon aufgrund ihrer Haarlänge und der Naturlocken nicht. Stattdessen faszinierten sie die fantasievollen Frisuren der Schauspielerinnen am Wiener Burgtheater. So holte sie die dort angestellte Friseuse Franziska Angerer, auch unter ihrem ehelichen Namen Nanny Feifalik bekannt, an den Hof. Sie betreute das kaiserliche Haar ab 1863.
Eine der letzten Frisuren Sisis ähnelte einer Krone, wie auch ihr Griechischlehrer, Constantin Christomanos, feststellte. Auf seine Bemerkung: "Majestät tragen das Haar wie eine Krone" antwortete die Kaiserin, die an der langen, dichten Haarpracht sicher schwer zu tragen hatte: "Nur dass man sich jener anderen leichter entledigen kann."
Olivia Lichtscheidl,
Kuratorin Sisi Museum