Am 10. September 1898 wurde Kaiserin Elisabeth von einem Anarchisten ermordet. Sein Name war Luigi Lucheni, doch wer war dieser Mann?
Er wurde am 22. April 1873 als Sohn einer einfachen Arbeiterin mit italienischer Abstammung in Paris geboren. Armut lernte er von klein auf kennen, denn er wuchs in einem Waisenhaus auf und musste ab seinem 10. Lebensjahr hart arbeiten. Mit zwanzig wurde er zum Militärdienst in Italien eingezogen und nahm 1896 am Abessinienfeldzug teil. Danach hatte er für kurze Zeit eine Anstellung beim Fürsten von Aragon, doch meist musste er in der Schweiz von Gelegenheitsarbeiten leben. Klassenunterschiede und sein eigenes Leben am Existenzminimum ließen seinen Hass auf die adeligen und vermögenden Schichten wachsen. Auslösendes Ereignis für seinen Plan ein Attentat zu begehen, war die blutige Niederschlagung eines Arbeiteraufstandes in Mailand 1898. Sein Opfer sollte der Prinz von Orléans sein. Aus der Zeitung erfuhr Lucheni schließlich vom Aufenthalt der Kaiserin Elisabeth in Genf. Er lauerte der Kaiserin auf und fügte ihr mit einer Dreikantfeile eine tödliche Stichwunde in der Nähe des Herzens zu. Lucheni wurde noch am Tatort festgehalten und ließ sich stolz abführen. Als er vom Tod der Kaiserin erfuhr, triumphierte er. Lucheni wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, weil es in der Schweiz keine Todesstrafe mehr gab, doch er wollte als Märtyrer der anarchistischen Bewegung in die Geschichte eingehen. Er wollte mit einer öffentlichen Hinrichtung noch einmal alle Aufmerksamkeit auf sich lenken. So forderte er seine Auslieferung nach Italien, wo ihm sein Wunsch erfüllt worden wäre. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Am 19. Oktober 1910 fand man ihn tot in seiner Zelle, er hatte sich mit seinem Gürtel erhängt.
Teile seiner Leiche wurden für wissenschaftliche Zwecke konserviert. Luchenis Kopf wurde ab 1910 in einem mit Formalin gefülltem Glasbehälter im Gerichtsmedizinischen Institut der Universität Genf unter Verschluss gehalten. Auf Ersuchen Österreichs kam das Präparat 1985 nach Wien ins Pathologisch-anatomische Bundesmuseum, mit der Auflage, den Kopf nicht öffentlich zur Schau zu stellen. Im Jahr 2000 wurde der Kopf des Mörders auf dem Zentralfriedhof in den so genannten Anatomiegräbern bestattet.