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Luftaufnahme Hofburg Wien (c) Stefanie Grüssl / BHÖ

Die Hofburg

Bis 1918 war die weitläufige Burganlage im Herzen Wiens das politische Zentrum der Monarchie, heute erfüllt sie dieselbe Funktion für das demokratische Österreich.

Bis 1918 war die weitläufige Burganlage im Herzen Wiens das politische Zentrum der Monarchie, heute erfüllt sie dieselbe Funktion für das demokratische Österreich. Wo einst Kaiser Joseph II. sein revolutionäres Reformprogramm entwarf, wo Veranstaltungen des Wiener Kongresses stattfanden (der „Wiener Kongress tanzte“) und wo Kaiser Franz Joseph Audienz gewährte, residiert nun der Bundespräsident der Republik. Auch zahlreiche kulturelle Institutionen - von der Österreichischen Nationalbibliothek bis zur Spanischen Hofreitschule - sind in dem über Jahrhunderte gewachsenen asymmetrischen Gebäudekomplex mit seinen 19 Höfen und 18 Trakten untergebracht.

In der Silberkammer dokumentieren prachtvolle Speiseservice, bis zu 30 Meter lange Tafelaufsätze und exquisite Tischwäsche die beeindruckende Pracht der kaiserlichen Tafelkultur. Ein vielschichtiges Bild der Kaiserin Elisabeth erschließt sich im Sisi Museum den BesucherInnen. Zahlreiche, teils sehr persönliche Exponate ermöglichen spannende Einblicke in die offizielle und in die private Welt der Monarchin. Mit der Besichtigung der Kaiserappartements gewinnen die BesucherInnen einen Einblick in die Lebenswelt von Österreichs berühmtesten Herrscherpaars. Die 24 Arbeits-, Wohn- und Empfangsräume von Kaiser Franz Joseph und seiner Gemahlin Sisi sind zum Großteil historisch-authentisch ausgestattet und bilden in ihrer vergleichsweise bescheiden anmutenden Ausstattung einen merkbaren Kontrast zum üppigen Prunk der Sommerresidenz Schönbrunn.

 

 



Modell der Gesamtanlage Hofburg © Sammlung Bundesmobilienverwaltung

Die Wiener Hofburg war über 600 Jahre lang Residenz der österreichischen Landesfürsten und entwickelte sich zu einem im Laufe von Jahrhunderten gewachsenen Zentrum der europäischen Geschichte, zu dem auch der ständige Ausbau der habsburgischen Stadtresidenz beitrug. Von hier aus regierten die Habsburger seit dem 13. Jahrhundert, zunächst als österreichische Landesherren, ab 1452 als gewählte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und schließlich ab 1806 als österreichische Kaiser bis zum Ende der Monarchie 1918.

Ausgehend von einer mittelalterlichen, befestigten Burganlage des 13. Jahrhunderts erweiterte jeder Kaiser die Residenz, indem er einen neuen Trakt oder Flügel errichten ließ. Der ausgedehnte asymmetrische Komplex, der sich über 240.000 m2 erstreckt, besteht aus 18 Trakten, 19 Höfen und 2.600 Räumen, in denen bis heute rund 5.000 Menschen wohnen und arbeiten.


Michaelertrakt © SKB, Foto: Johannes Wagner

Der älteste Teil der Hofburg ist die Alte Burg, die seit dem 18. Jahrhundert nach der Schweizergarde, die hier als Burgwache diente, Schweizertrakt genannt wird. Die mittelalterliche Burganlage ist in ihrem Kern bis heute erhalten, nur die vier Ecktürme, der größte Teil des Burggrabens und die Zugbrücke mussten im Laufe der Zeit den Neuerungen weichen. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Fassade im Stil der Renaissance erneuert.
1552 entstand das von Pietro Ferabosco gestaltete Schweizertor, eines der wenigen Renaissancedenkmäler in Wien. In diesem Trakt befindet sich die Schatzkammer, in der die Insignien des Heiligen Römischen Reiches sowie jene des österreichischen Kaisertums aufbewahrt werden. In der 1449 errichteten Burgkapelle singen bis zum heutigen Tag die Wiener Sängerknaben bei der Sonntagsmesse.
1559 wurde mit dem Bau der Stallburg als neue Residenz begonnen. Seit dem 18. Jahrhundert befinden sich hier die Stallungen der berühmten Lipizzaner, die täglich (außer Montag) in der gegenüberliegenden Winterreitschule ihr Morgentraining oder ihre Vorführungen absolvieren.


Josefsplatz mit einem Teil der Nationalbibliothek (c) SKB, Foto: Johannes Wagner

Gegenüber dem Schweizertrakt wurde im 16. Jahrhundert die Amalienburg als freistehendes Gebäude errichtet. Sie verdankt ihren Namen der Kaiserin Wilhelmine Amalie, für die hier nach dem Tod ihres Gemahls Kaiser Joseph I. ein entsprechendes Witwenappartement eingerichtet wurde. Zuletzt bewohnte Kaiserin Elisabeth diesen Teil der Hofburg, deren Appartements heute besichtigt werden können.
Im 17. Jahrhundert ließ Kaiser Leopold I. den Schweizertrakt mit der Amalienburg verbinden. Der neu entstandene und nach dem Kaiser benannte frühbarocke Leopoldinische Trakt wurde 1668-1680 errichtet und im 18. Jahrhundert von Maria Theresia bewohnt. Nach ihrem Tod wurden die Räumlichkeiten bis zum Ende der Monarchie als prunkvolle Repräsentationsräume verwendet. Seit 1946 befindet sich hier der Amtssitz des österreichischen Bundespräsidenten.


In einem Teil der Hofburg war im Kellergeschoß auf drei unterirdischen Stockwerken der Hofweinkeller untergebracht. Nach dem Ende der Monarchie wurden die dort gelagerten Weinbestände versteigert und ein Gipsmodelldepot eingerichtet, in dem die Modelle der Brunnen und Denkmälern der Ringstraßenbauten aufbewahrt werden.

Im 18. Jahrhundert wurde die Hofburg unter Kaiser Karl VI. durch prunkvolle Barockbauten erweitert, die vom Hofarchitekten Joseph Bernhard Fischer von Erlach geplant und begonnen wurden. 1723, nach dem Tod des Architekten, übernahm dessen Sohn Johann Emanuel Fischer von Erlach die Bauleitung.

1723-1735 wurde die Nationalbibliothek als Hofbibliothek für den kostbaren Bücherbestand der Habsburger gebaut. Der Prunksaal gehört mit seinem beeindruckenden barocken Interieur zu den schönsten Bibliothekssälen der Welt.

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Jahre 1806 wurden die Kanzlei- und Repräsentationsräume

in Wohnräume für die nunmehrige österreichisch kaiserliche Familie umgewandelt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts residierte hier schließlich Kaiser Franz Joseph.

Die Skulpturen an den Portalen stammen von Lorenzo Mattielli, um 1730, und stellen die Taten des Herkules dar. Im Mitteltrakt befindet sich das Kaisertor, das den Zugang zu den Kaiserappartements bildet. Am Dachrand erhebt sich der imposante Wappenschild des Kaisers Karl VI. mit dem Doppeladler, der unter anderem den österreichischen Bindenschild (mit den österreichischen Farben rot-weiß-rot) trägt und von der Reichskrone überhöht ist.

Mit dem Tod Johann Bernhard Fischers von Erlach sah auch ein anderer Architekt des österreichischen Barock, Lukas von Hildebrandt, seine Chance gekommen. Während Fischers Sohn die Pläne seines Vaters verwirklichen sollte, konnte Hildebrandt planerische Tätigkeiten am Reichskanzleitrakt, in dem zunächst die Kanzlei des Heiligen Römischen Reiches untergebracht war, beginnen. Auf Wunsch des Kaisersvollendete schließlich doch Johann Emanuel Fischer von Erlach 1730 den Trakt.



Attika des Reichskanzleitraktes, Wappenschild Kaiser Karl VI (c) SKB, Foto: Johannes Wagner

1735 vollendete Johann Emanuel Fischer von Erlach auch die Winterreitschule, in der bis heute die Vorführungen der Spanischen Reitschule stattfinden. Daran anschließend wurden die Redoutensäle errichtet, in denen große Empfänge, Bälle und andere Festlichkeiten stattfanden und die heute als Kongresszentrum dienen.

Der prunkvolle Zeremoniensaal, in dem ebenfalls viele Feste des Kaiserhauses gefeiert wurden und in dem bis heute viele der berühmten Wiener Bälle stattfinden, wurden von Ludwig Montoyer zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet.


Ankunft des Kaiser Franz Josephs in der Michaelakuppel, Xylographie von Petrovits L.E., 1900 © SKB, Foto: Sascha Rieger

Erst Ende des 19. Jahrhunderts, als das Alte Burgtheater abgetragen wurde, vollendete Ferdinand Kirschner nach Plänen Fischers von Erlach den Michaelertrakt, der mit seiner geschwungenen Fassade und seiner fünfzig Meter hohen Kuppel das Erscheinungsbild der Innenstadtseite der Hofburg bis heute prägt.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts, kurz vor Ende der Monarchie, wurde schließlich der imposanteste Teil der Hofburg, die Neue Hofburg, als Teil des von Gottfried Semper und Karl Hasenauer geplanten "Kaiserforums" fertiggestellt. Heute sind hier ein Teil der Österreichischen Nationalbibliothek  und deren verschiedene Sammlungen und wie auch die von verschiedenen Museen untergebracht.


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