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Arbeitszimmer (c) Johannes Wagner

Arbeitszimmer

„Sobald die Kinder allein Essen konnten, durften sie bei ihm im Schreibzimmer - oft acht Stück - speisen.“


Nachdem die ersten bearbeiteten Akten um sechs Uhr abgeholt wurden, servierte der Kammerdiener dem Kaiser das erste Frühstück an den Schreibtisch, auf dem rechts die erledigten und links die unerledigten Akten lagen. Das Frühstück bestand in der Regel aus Tee oder Kaffee und mürbem Gebäck, Gugelhupf oder Milchwecken. Dem folgte eine Zigarre. Gegen 11 Uhr nahm Franz Joseph das zweite Frühstück ein, das auf einem kleinen Tisch zwischen den Kaminfauteuils serviert wurde. Dieses bestand meist aus Suppe und gedünstetem Fleisch, zu dem der Kaiser Gemüse und Gebäck bevorzugte. Dazu trank er ein Glas Wein oder Bier. Erst gegen fünf Uhr Nachmittag pflegte Franz Joseph, meist im Beisein eines Erzherzogs, die Hauptmahlzeit einzunehmen, die aus Suppe, dem berühmten Tafelspitz, Braten, Mehlspeise und Obst bestand. Da das Arbeitszimmer für den Kaiser das eigentliche Wohnzimmer war, befanden sich hier neben zahlreichen kleinformatigen Familienfotografien auch zwei der berühmten Gemälde der Kaiserin, die Franz Xaver Winterhalter als private Bilder für den Monarchen schuf und die Elisabeth mit aufgelösten Haaren zeigen.

Hinter dem Schreibtisch und somit dem am Schreibtisch sitzenden Kaiser gegenüber stand das Lieblingsbild des Kaisers, Winterhalters Gemälde der Kaiserin mit vor der Brust verschlungenem Haar. Über dem Kamin ist ein Porträt des russischen Zaren Alexander II. zu sehen, der ein persönlicher Freund des Kaisers war und mit dessen Hilfe die ungarischen Aufstände 1848/49 niedergeschlagen wurden. Fotografien von den Kindern und Enkelkindern vervollständigten damals wie heute die Einrichtung dieses Raumes.

Franz Joseph war ein Familienmensch und zu seinen Enkelkindern ein reizender Großvater. Berichte von Hofbeamten schildern, wie die Enkel beim „Opapa“ im Schreibzimmer auf dem Teppich „herumkugelten“ und der Kaiser ihnen Umschläge geöffneter Briefe und farbige Bleistifte gab, mit denen sie dann Figuren auf die Kuverts kritzelten.


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