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Speisesaal (c) SKB, Foto: Alexander Eugen Koller

Einmal in der Woche, am Sonntag, sah sich die Kaiserfamilie beim Familiendiner, zu dem jedes in Wien weilende Familienmitglied zu erscheinen hatte.


Im Speisesaal ist eine gedeckte Tafel aus der Zeit Franz Josephs zu sehen. Je nach Größe und Ausstattung unterschied man zwischen Galadiner, Familiendiner, Serien- oder Militärdiners oder Marschalltafeln. Dreimal pro Woche gab es offizielle Diners, sogenannte Seriendiners, zu denen jeweils knapp 30 Personen geladen waren. Sie fanden immer im Alexanderappartement statt, außer die Zahl der Geladenen überstieg die Anzahl von 30 Personen. Dann musste in die Geheime Ratsstube im Leopoldinischen Trakt ausgewichen werden.

Die Einladungen gingen in erster Linie an Männer aus Adel, Militär und Wirtschaft und dienten nicht der Unterhaltung, sondern staatspolitischen Aufgaben. Die Einladungslisten und die Menüvorschläge wurden dem Kaiser vorgelegt, der Veränderungen eigenhändig mit Rotstift ausführte. Die offiziellen Diners begannen um sechs Uhr abends. Nachdem sich alle Gäste eingefunden hatten, erschien der Kaiser und man begab sich zu Tisch. Franz Joseph nahm in der Mitte der Tafel Platz; war kein Ehrengast anwesend, saß der Obersthofmeister dem Kaiser gegenüber. Jedes Menü bei Hof begann mit einer klaren Suppe, danach kamen Austern, Salat, Fisch und Fleischspeise. Als Abschluss wurde Dessert und Käse serviert. In der Regel wurden an der Hoftafel sieben bis dreizehn Gänge serviert, wobei bei offiziellen Essen die französische Küche bevorzugt wurde. Das Service lief schnell und geräuschlos ab, da für je zwei Personen ein Lakai bestimmt war und alle Gäste gleichzeitig das Essen erhielten. 

Die Diners dauerten in der Regel 40-45 Minuten und die Unterhaltung beschränkte sich ausschließlich auf den Nachbar. Damit die Speisen auf dem langen Weg von der Hofküche im Schweizertrakt bis zum Speisesaal in der Amalienburg nicht auskühlten, wurden sie in beheizten Wärmekisten transportiert.

Einmal in der Woche, am Sonntag, sah sich die Kaiserfamilie beim Familiendiner, zu dem jedes in Wien weilende Familienmitglied zu erscheinen hatte. Als Entschuldigungsgrund ließ Franz Joseph nur Krankheit oder offizielle Aufgaben gelten. Schriftliche Entschuldigungen hatten beim Obersthofmeister rechtzeitig einzutreffen. War die Familie völlig unter sich, ging es sehr lebhaft zu.

Bei offiziellen Diners freilich nahm sich die Familie völlig zurück, man überließ dem Ranghöchsten das Wort, erzählte nichts Privates und ließ schon gar nicht die eigene Meinung durchblicken. Dass das kaiserliche Familienleben langweilig gewesen sein soll, wurde immer nur von außen stehenden Personen beklagt, die nur an den offiziellen Diners teilnehmen durften. Bei den privaten Tafeln wurde übrigens Wiener Küche bevorzugt und die Lieblingsspeisen der Familienmitglieder berücksichtigt.


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