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Die Flucht (c) SKB, Foto: Alexander Eugen Koller

Nach dem tragischen Selbstmord ihres Sohnes Rudolfs zog sich Elisabeth in ihr Leid und ihre Trauer zurück. Die Kaiserin wurde immer rastloser und begann vermehrt zu reisen.


Nachdem Elisabeth den Kaiser während der Ausgleichsverhandlungen mit Ungarn ziemlich unter Druck gesetzt hatte, verbot Franz Joseph in Zukunft jegliche Einmischung seiner Gemahlin bei politischen Fragen.

Elisabeth zog sich daraufhin zurück, begann ihr eigenes Leben zu führen und ihre Neigungen auszuleben. Sie betrieb nun intensiv Reitsport, dichtete im Stil Heinrich Heines und liebte es zu reisen. In ihrem Appartement ließ sie sich ein Turnzimmer einrichten und absolvierte täglich ein intensives Trainingsprogramm zum Schrecken des Hofes.

Ihre legendäre Schönheit pflegte sie täglich mit großem Aufwand. Das Auffälligste war ihr dichtes, bodenlanges Haar, für dessen Pflege die Kaiserin viel Zeit investierte. Franziska Feifalik, die private Friseuse, zauberte täglich mit großer Geschicklichkeit die kunstvollsten Frisuren und kreierte auch in späteren Jahren die berühmte Zopfkrone. Während des zweistündigen Frisierens lernte die Kaiserin Sprachen, später vor allem Alt- und Neugriechisch mit ihrem Lehrer Constantin Christomanos.

Alle vierzehn Tage wurden die Haare mit extra angefertigten Mixturen aus Eigelb und Cognac gewaschen. Viele Pflegeprodukte, welche die Kaiserin verwendete, wurden für sie nach bestimmten Rezepten in der Hofapotheke hergestellt. Sie liebte Olivenölbäder und ließ sich über Nacht verschiedenste Umschläge zur Straffung der Haut auflegen. Auf Reisen wurden sogar Ziegen und Kühe mitgenommen, damit die Kaiserin rundum mit frischer Milch versorgt werden konnte.

Vielen Zeitgenossen erschien dieses Leben sonderbar. Nach dem tragischen Selbstmord ihres Sohnes Rudolf im Jahr 1889 legte die Kaiserin die Trauerkleidung bei öffentlichen Auftritten in Ländern der Monarchie nicht mehr ab und zog sich in ihr Leid zurück. Trauerschmuck ersetzte von nun an die Juwelen und Edelsteine, die sie an ihre Töchter und Enkel verschenkte. Schwarze Glasperlen und sogenannter Jet, der aus Braunkohle hergestellt wurde, dienten von nun an der Kaiserin von Österreich als Schmuck. Schwarze Schleier und schwarze Fächer rundeten das Bild der trauernden, in sich gekehrten Frau ab. Die Kaiserin wurde immer rast- und ruheloser und begann vermehrt zu reisen. Ausgedehnte Seereisen, die sie mit den kaiserlichen Jachten unternahm, bestimmten von nun an das Leben Elisabeths.

Wenn die Kaiserin mit dem Schiff reiste, wurde das Achterdeck, auf dem sie sich aufhielt, durch Sonnenzelte abgeschirmt. Elisabeth führte an Bord ein bescheidenes, einfaches Leben, gab keine Staatsbesuche und auch keine offiziellen Diners. Auf dem Verdeck ihrer Yacht Miramar hatte sie einen Glaspavillon, um bei jedem Wetter das Meer beobachten zu können. Bei stürmischer See ließ sie sich dort sogar an einem Stuhl festbinden, damit sie sich dieses Naturschauspiel anschauen konnte, während die anderen Begleiter oft von Seekrankheit geplagt waren. Sie befuhr den Atlantik, das Mittelmeer und die griechischen Küsten, wo eines ihrer Lieblingsziele die Insel Korfu war. Auf dieser ließ sie sich die Villa Achilleion erbauen, ein Schlösschen im pompejanischen Stil, das nach Achilleus, ihrem Lieblingshelden aus der griechischen Mythologie, benannt war. Alle Gegenstände, die für das Achilleion angeschafft wurden, erhielten als Erkennungszeichen den gekrönten Delfin. Doch obwohl die Kaiserin in einem Brief an ihren Gatten 1888 von Korfu als „idealem Aufenthalt“ schwärmte, verlor sie nach der Fertigstellung bald das Interesse an dieser Villa und bot sie zum Verkauf an. 1897 erhielt eine Realitätenagentur den Auftrag, das Achilleion zu veräußern, woraufhin ein Großteil der Möbel nach Wien in die Hermesvilla gebracht wurde. Nach dem Tod der Kaiserin 1898 erbte die Kaisertochter Gisela das Achilleion, und verkaufte es 1907 schließlich an den deutschen Kaiser Wilhelm II.

Ein weiteres Reisemittel, dessen sich die Kaiserin gerne bediente, war die Eisenbahn. 1873 beschlossen die österreichischen Bahngesellschaften, als Huldigung an die beliebte Kaiserin, eine Reisewagengarnitur anfertigen zu lassen, die aus einem Salon- und einem Schlafwagen bestand und Elisabeth zur Verfügung gestellt wurde. Ausgestattet war der Waggon mit elektrischer Beleuchtung, einer Dampfheizung und einer Toilette. Um ein ungehindertes Reisen auch auf den Strecken der Nachbarländer zu ermöglichen, wurden etwa die Auftrittsstufen wegen des engeren italienischen Profils hochklappbar ausgeführt. Die Ausstattung sollte stilgerecht, einfach, ruhig und ohne jede Überladung gehalten sein. Wegen des engen Platzes wurde die Funktion auf zwei Wagen aufgeteilt, einem Salon- und einem Schlafwagen. 

Der heute noch erhaltene Schlafwagen der Kaiserin befindet sich im Technischen Museum Wien, wo man ihn von außen durch die Fenster hindurch besichtigen kann. Um dem Besucher die Möglichkeit zu geben, sich wie einst die Kaiserin im Reisewaggon aufzuhalten wurde ein Teil des Schlafwagens im Sisi-Museum nachgebaut und kann während der Besichtigungstour „begangen“ werden.


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